Seit Tagen steht der Euro-Airport in der Kritik. Nachdem sich der Basler CVP-Präsident Balz Herter auf Twitter über den «schmuddeligen» Flughafen beschwert hat, lassen nun auch Fluggäste auf Facebook ihren Ärger raus. Ein «Provinzflughafen» sei der EAP, so der Tenor. Tatsächlich entspricht der Flughafen in vielen Dingen nicht Schweizer Standards. Er steht aber auch auf französischem Boden.

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Dienstagmorgen, 11 Uhr. Es ist ruhig in der Empfangshalle des Euro-Airports. Obwohl vor fünf Jahren ein neues Gastro-Konzept umgesetzt wurde, sind im Eingangsbereich nur zwei, drei verlorene Restaurants zu sehen. Klein ist er, der EAP. Nicht alles läuft optimal. Der Grossteil der Fluggäste befindet sich in der Halle drei. Hier sind die Easyjet-Schalter. Wer auf einen Easyjet-Flug Gepäck mitnehmen will, muss hier durch. Das dauert. So lange, dass einige nervös werden und sich beim jungen Flughafenmitarbeiter beschweren. Dieser zuckt hilflos mit den Schultern, «tut mir Leid.»

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Wer als Zeitvertreib sein Mobiltelefon hervorkramt, wird enttäuscht: Das Flughafen-WLAN wird zwar erkannt, eine Verbindung kann aber nicht immer aufgebaut werden. Unterhalten können sich die Schweizer Gäste nur offline oder über das Netz der Nachbarn. Erst am Nachmittag klappt es, die Verbindung steht. Woran das liegt, ist Vivienne Gaskell, Mediensprecherin des EAP ein Rätsel. «Wir haben viel in das WLAN investiert», sagt sie. Alles scheint hier in der Schwebe zu sein, sogar das Internet: Gefangen im Nichts zwischen Frankreich und der Schweiz.

Mal ausgestorben, mal gedrängt

Über die Lautsprecher werden derweil zwei fehlende Passagiere für den Flug nach Tel Aviv ausgerufen. Auf Französisch, Englisch, aber nicht auf Deutsch. «Die Angestellten sprechen nur eine Sprache: Französisch», beklagen sich denn auch die Fluggäste auf Facebook.

Mediensprecherin Vivienne Gaskell kennt die Kritik. Sie sagt: «Wir haben extra mehrsprachige Hostessen angestellt, die bei der Sicherheitskontrolle stehen und helfen. Seitdem geht es besser.» Doch nicht immer braucht es Hostessen. Auch die französischsprachige Kassierin im Weckmann-Bistro versteht Schweizerdeutsch. «Wasser mit oder ohne Gas?», fragt sie auf Deutsch zurück und bringt eine kleine Flasche Evian für vier Franken sechzig. Noch teurer ist die Verpflegung nur im leicht erhöht gelegenen Restaurant «La Fourchette» gleich unter dem rostigen Tinguely-Kunstwerk. Für ein Sandwich müssen die Gäste besonders tief in die Tasche greifen: Ab acht Franken neunzig ist man dabei.

Hier oben ist der Flughafen tot. Eine Parallelwelt zur überfüllten Easyjet-Halle. Ob jemand weiss, dass es hier auch Toiletten gibt? Die Gänge sind jedenfalls leer, die Klos sauber. Wer sich über übelriechende Toiletten beschwert, kennt wohl dieses versteckte Örtchen nicht. Alle zwei Stunden wird es gereinigt, obwohl weit und breit niemand zu sehen ist. Andere WCs wie auf der Abflugebene werden bei grossem Andrang überrannt und sehen danach dementsprechend aus. Mit dem Drücken von drei Smileys zur Auswahl können Gäste ihre Zufriedenheit kundtun. «Wird der rote oft gedrückt, kommt sofort jemand, um zu reinigen», sagt Gaskell.

Ein Ort, der Potenzial hat

So ist der Basler Flughafen ein Ort der Gegensätze. Ein Ort, der Kritiker auf den Plan ruft. Aber auch einer, der Potenzial birgt. Zahlreiche Sitzgelegenheiten könnten hier geschaffen und die Fluggäste besser verteilt werden. Noch stehen sie sich im Weg und versperren sich die Sicht, insbesondere bei der ersten Fluganzeige gleich oberhalb der Rolltreppe.

Irgendwo hinter den vielen Köpfen dann die Destinationen: Paris, Frankfurt, Istanbul. Vier der fünf nächsten Flüge starten mit Verspätung. Gemotzt wird nicht, das Warten auf den Flug gehört zum EAP wie zu jedem anderen Flughafen auch. Meist geht hier sogar Vieles schneller als an grösseren. Von der Bushaltestelle bis zur Gepäckaufgabe sind es zwei Minuten Fussweg. Wäre Basel eine Grossstadt mit einem erstklassigen Flughafen, die Besucher müssten durch Läden und Wartezonen pilgern und den Gebäudeplan studieren, um an den richtigen Schalter zu gelangen.

Aber Basel ist keine Grossstadt. Und Mulhouse schon gar nicht. Hier am Euro-Airport fährt statt der S-Bahn noch der Bus in die Basler Innenstadt. Er ist überfüllt, Koffer versperren die Türen. Etwas Geduld ist nötig, doch die sieben Minuten Wartezeit bis zum nächsten Bus gehen auch ohne WLAN irgendwann vorbei. Und wer dann zum Busfenster hinausschaut, den Flugzeugen hinterher, und innert zehn Minuten in die Innenstadt gelangt, der weiss: Jetzt ist er zuhause, zurück in der Provinz.