Medienplatz Basel

Die Verantwortlichen der Tageswoche geben nicht auf: Businessplan für Nachfolgeprojekt steht

«Tageswoche» liefert nicht mehr nach Zürich.

Die Verantwortlichen der Tageswoche mussten erst am Montag bekanntgeben, dass das Medium an der Finanzierung gescheitert sei. Der Businessplan für ein Nachfolgeprojekt steht aber schon. Es soll ein Printprodukt werden.

Gekommen waren Andreas Miescher und Franz Xaver Leonhardt, die Verwalter von Béatrice Oeris Geld in der Stiftung für Medienvielfalt. Am späten Montagnachmittag verkündeten sie der Redaktion der «Tageswoche», dass das Projekt zu Ende sei, gescheitert.

Im verflixten siebten Jahr kommt damit zum Erliegen, was einst als hoffnungsvoller Widersacher einer «Basler Zeitung» von Blochers Gnaden begonnen hat. Nachvollziehbar hätten die beiden Herren den Schreiberinnen, Fotografen und Produzierenden eröffnet, wie ein Sozialplan den Umstand abfedern soll, dass sie bald keinen Job mehr haben.

Das berichten solche, die da waren. Details über jenen Plan werden nicht bekannt, er sei aber grosszügig. Überhaupt sei das Ende gut organisiert gewesen. «Für einmal», wie es heisst.
Die Redaktion nahm das Gesagte gut auf. Monatelang hing die Zukunftsangst wie eine dunkle Wolke über der Arbeitsstätte an der Spitalstrasse, die Stimmung war entsprechend bedrückt.

Eine Million steht zur Verfügung 

In den vergangenen Wochen hat sich die düstere Vorahnung noch intensiviert, die «Schweiz am Wochenende» berichtete über eine Funkstille zwischen der zunehmend verunsicherten Redaktion und der Stiftung, die den Geldhahn zugedreht hatte.

Eine Million Franken – so viel steht nach wie vor zur Verfügung. Berichtet wurde auch über ein Konzept, das der Verlag gemeinsam mit der Redaktion und unter Beizug externer Experten erstellt habe. Es ist eine Bewerbung um diese in Aussicht gestellte Million.

Auch wenn nach dem Schock wenig klar ist, scheint eines gewiss: Das neue Projekt soll aus dem gleichen Stall kommen. Ein Businessplan steht. Stiftungsrat Andreas Miescher liess gegenüber der bz durchblicken, dass manche Mitarbeitende der «Tageswoche» auch dem neuen Projekt Pate stehen werden.

Es gibt ein neues Basler Printprodukt mit Tageswoche-Geist

Allerdings lässt sich mit einer Million nur ein Bruchteil der bestehenden Redaktion unterhalten. Deutlich ist auch: Es wird wohl ein Print-Medium. Das geht aus einem Brief von «Tageswoche»-Geschäftsführerin Sibylle Schürch an die Abonnenten hervor. «Nächstes Jahr wird ein neues Basler Medienprodukt lanciert», kündet sie an. Darin werde der Geist der «Tageswoche» weiterleben.

Und: «Das, was Sie an unserer Arbeit geschätzt haben, soll wieder regelmässig in Ihrem Briefkasten liegen.» Dass die «Tageswoche» trotz finanziellen Misserfolgs durchaus eine breite Anhängerschaft hatte, zeigte sich insbesondere an den Reaktionen in Sozialen Medien.

Schweizweit drückten Journalisten sowie Vertreter von Wirtschaft, Politik und Kultur ihr Bedauern aus; es klang wie Beileidsbezeugung. Was insofern passte: Nach der Ankündigung schritt die Redaktion zum «Leichenmähli» und liess den Abend geeint ausklingen.

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