Nun kanns losgehen: Nach mehrmonatigem Baustopp wegen einer Beschwerde gegen den Vergabeentscheid hat die ETH Zürich am Donnerstag Grundsteinlegung gefeiert für ihren neuen Life-Sciences-Campus in Basel. Für 200 Millionen Franken baut die ETH auf dem Schällemätteli-Areal zwischen Klingelbergstrasse und Schanzenstrasse bis 2022 dem Departement für Biosysteme ein neues Zuhause. Es ist der einzige solche Aussenposten der ETH überhaupt. Die Forschungstätigkeit der renommiertesten Schweizer Hochschule am Rheinknie war von Beginn weg ein Erfolg: In nur elf Jahren hat sich die Grösse des Departements auf aktuell 18 Professuren und 300 Mitarbeitende verdoppelt.

Ein Standort statt wie zuvor vier

«Wir kamen, um zu bleiben – und um zu investieren», sagte ETH-Präsident Lino Guzzella vor den Würdenträgern aus Bildung und Politik. Das neue Gebäude sei zentral für die Weiterentwicklung des Departements und für die Partnerschaft mit der Uni Basel sowie der Life-Sciences-Industrie, fügte Guzzella an. Bisher war die ETH auf vier Standorte an der Rosentalanlage verstreut. Dort wurde es immer enger. Die Basler Aktivitäten werden nun in einem Neubau in Nachbarschaft zu Bio- und Pharmazentrum der Universität, zum Universitätsspital und zum Kinderspital beider Basel konzentriert. Mit dem ETH-Campus wird zudem der bestehende Forschungscluster im Gebiet Schällemätteli gestärkt.

Die ETH und Basler Uni verbinde vieles, etwa eine Kooperation in der personalisierten Medizin und der Ausbildung in der Zahnmedizin. «Diese Wissenschaftsachse wird mit dem Neubau noch stärker», ist Guzzella überzeugt. Uni-Rektorin Andrea Schenker-Wicki nahm den Ball auf: Die Uni sei stolz auf die Partnerschaft und die künftige Nachbarschaft. «Die Dichte an Forschungsaktivitäten und Life-Sciences-Unternehmen – rund 700 an der Zahl – sei in Basel einzigartig. «Die ETH hat gut gewählt. Hier geht die Post ab. Über Zürich sage ich jetzt nichts», schmetterte Schenker-Wicki in die Runde. Man muss wissen: Die Rektorin der Basler Uni ist Absolventin der ETH und gebürtige Zürcherin.

«Dass die ETH Zürich in Basel künftig mit einem eigenen Gebäude sichtbar sein wird, ist von grosser Bedeutung», sagte auch die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind. Die beiden Basel als Trägerkantone der Uni sind am ETH-Neubau finanziell nicht beteiligt, sie leisteten aber beim Aufbau des ETH-Departements eine Anschubfinanzierung über je 5 Millionen Franken, total also 10 Millionen. Sie erwarte nun eine verstärkte Kooperation der Hochschulen und dass daraus Innovationen entstehen, sagte Gschwind.

«ETH hoffentlich für immer hier»

Sie brachte ein Stück erfolgreicher Innovation aus dem Baselbiet mit: Ein Rasterkraftmikroskop der Liestaler Firma Nanosurf, das in der Mars-Mission Phoenix der Nasa zum Einsatz gelangt. Gschwind legte das Mikroskop zu anderen Gegenständen in der Zeitkapsel, die anschliessend per Drohne zum Baustellenboden geflogen und eingebaut wurde. Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer brachte eine Tröte mit, die er jüngst bei einem Schulbesuch erhalten hatte.

«Ich glaube fest daran, dass durch Humor kreative Ideen entstehen könnte», sagte er. Die Tröte hat aber noch einen anderen Zweck: Sie spendet Trost. Dann etwa, sollte das ETH-Gebäude einmal abgebrochen werden. «Wobei ich natürlich hoffe, dass die ETH für immer hier bleibt», fügte Cramer an.