Der Sinkflug ist steil. Und er zeigt sich im Aktienkurs der MCH Group AG: Die starke Redimensionierung der Baselworld war noch zu verkraften, doch die Absage von Swatch an die grosse Uhrenschau wenige Monate später liess den Kurs weiter purzeln. Und jetzt: Eine Warnung vor einem Millionenverlust anlässlich der Halbjahreszahlen des Unternehmens.

Die Reaktionen fallen teils harsch aus. «Das ist grundsätzlich sehr bedauerlich», sagt Pascal Pfister, Präsident der SP Basel-Stadt und damit der grössten Regierungspartei. «Wir hoffen, dass der Abgang von CEO René Kamm und – hoffentlich – eine neue, langfristige Lösung in der Führung die Messe bald wieder auf Kurs bringt.» Die Messe habe einige fette Jahre hinter sich, so Pfister, und dabei Entwicklungen verschlafen. Zuversichtlich stimme die Tatsache, dass die MCH Group AG neue Produkte testet, wie etwa die Luxusautomesse Grand Basel, «ob sie nun erfolgreich wird oder nicht.»

«Grand Basel» erhebt Autos zur Kunst

Auf keinen Fall die Anteile verkaufen

Dennoch: Ein Verkauf der Aktienanteile des Kantons Basel-Stadt, der einen Drittel der Anteile hält, stehe für ihn ausser Frage. «Wenn das passiert, dann verschwinden die Messen aus Basel und finden ganz anderswo statt», sagt Pfister. Daher müsse der Staat beteiligt bleiben.

Grosse Absichten zu verkaufen hegen die Kantone allerdings nicht. Obwohl gerade kürzlich der Kanton Basel-Landschaft die Anteile an der MCH Group AG als grösseres Risiko eingestuft hatte.

Baselbieter nehmen den Schlag hin

«Dem Kanton Basel-Landschaft droht derzeit kein Abschreiber. Die Beteiligung an der MCH Group AG ist beim Kanton zum Nominalwert bilanziert», sagt SVP-Regierungsrat Thomas Weber, Vorsteher der zuständigen Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion Baselland. Diese habe immer noch einen Restbuchwert von 4’712’500 Franken.

Doch auch Weber sagt: «Der Ausblick entspricht leider den Erwartungen, wie sie sich in den vergangenen Monaten ergeben haben, namentlich bei der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld, die in den Jahren bis 2017 jeweils ausserordentlich hohe Erträge erwirtschaftet hatte.»

Brutschin: Massnahmen müssen umgesetzt werden

Auch der Kanton Basel-Stadt rechnet derzeit nicht mit Abschreibern. Dies, weil der Kurs noch nicht unter den Anschaffungspreis von rund 20 Franken pro Aktie gefallen ist, wie SP-Regierungsrat Christoph Brutschin sagt. «Wie bei jeder Aktiengesellschaft beschränkt sich das Risiko des Kantons auf den Verlust seines Aktienkapitals. Es gibt keine Nachschusspflicht. Der Kanton Basel-Stadt führt seine Beteiligung an der MCH Group AG im Verwaltungsvermögen», so Brutschin. Daher sei die Beteiligung nicht zum Verkehrswertin den Büchern des Kantons, sondern zum wesentlich tieferen Anschaffungswert.

«Aufgrund der schwierigen Situation der BaselWorld war leider nicht auszuschliessen, dass das jetzige Ergebnis nicht erfreulich ausfallen wird», so Brutschin. Diese Tatsache sei zu bedauern. «Der Fokus muss jetzt aber auf der Umsetzung der beschlossenen Massnahmen gelegt werden.»

Die Messe braucht Rückhalt

Um Rückhalt für das Unternehmen bittet die Handelskammer beider Basel: «Wir begrüssen, dass die MCH Group den Tatsachen ins Auge blickt, vorausschaut und die notwendigen Transformationsprozesse einleitet, um sich in einem rasch wandelnden Umfeld weiterhin zu behaupten», sagt deren Direktor Martin Dätwyler: «Geben wir der Messe Schweiz die Chance und die nötige Zeit für die anstehenden Transformationen.»

Messen und Events von internationaler und nationaler Ausstrahlung würden die Region Basel bereicheren und «generieren seit vielen Jahren eine hohe Wertschöpfung, von der zahlreiche Branchen und Unternehmen profitieren», so Dätwyler weiter: «Umso bedauerlicher ist es, dass die MCH Group zurzeit mit zahlreichen Herausforderungen kämpft.»